Heute hatte ich ein besonderes Gespräch mit meinem Doktorvater.

Eigentlich war ich sogar nur Gast und Zuhörer als Prof. Marcel Fratzscher, Chef des DIW Berlin und mein Freund Michael Bohmeyer – der Gründer von mein-grundeinkommen.de über das für und wider des Grundeinkommens sprachen. Die beiden waren nah beieinander. Beide kritisieren die große Ungleichheit in Deutschland und beide sprechen sich dafür aus, das zu ändern. Michael Bohmeyer will allen Personen 1000€ im Monat geben, ohne eine Gegenleistung zu fordern, Prof. Fratzscher entgegnet „Fördern und Fordern“ und warnt davor, dass das Grundeinkommen auch negative Folgen für Menschen haben könnte, die bereits jetzt zu wenig zum Leben haben. Er schlägt vor, jeder Person 20.000€ für Bildung, Pflege und Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

Die Frage, die mich bei dem Thema am meisten umtreibt: Wie finanzieren wir das? Und damit meine ich nicht die „Das ist doch gar nicht finanzierbar“-Polemik. Ich sehe in der Frage das Einfallstor für Bewegungen, die die Solidarität in unserer Gesellschaft abschaffen wollen – ein soziales Grundeinkommen ist genauso wie ein asoziales Grundeinkommen finanzierbar. Für welche Variante wir uns aber entscheiden, muss Teil des Diskurses werden. Das bringt uns weiter zu einer ganz eigenen Debatte: Wollen wir eine negative Einkommensteuer oder vervierfachen wir die Mehrwertsteuer, schaffen die Rente ab und halbieren die Steuerlast für Unternehmen. Das wirkt erstmal wie ein Detail in der Debatte, ist jedoch extrem wichtig, da es darüber entscheidet, ob wir von reich zu arm oder von arm zu reich umverteilen.

Am Ende des Gesprächs stellten wir fest: Am besten ausprobieren – vielleicht gibt es also bald ein begleitetes Experiment zum Grundeinkommen und zum Lebenschancenkredit vom DIW zusammen mit „mein-grundeinkommen.de“. Aber auch hier stellt sich die Frage – Wie finanzieren wir es? Vielleicht mit euch?

Posted by jan

3 Comments

  1. Du hast vollkommen recht, Jan. Es gibt Menschen, die brauchen eine andere Form von Unterstützung. Menschen, die die Unterstützung, die Michael Bohmeyers Tochter ein ganzes Leben lang ganz umsonst bekommen hat:”Ich bin da. Du kannst das.” nicht oder nicht ausreichend erfahren haben. Diese Unterstützung bekommen sie heute nicht vom System. Stattdessen bekommen sie Druck: entweder du machst, oder…
    Marcel Fratzscher luegt sich da in die Tasche.
    Respekt dafür, dass du dieses Gespräch organisiert und moderiert hast. Vielleicht wird es auch bei Professor Fratzscher einen Eindruck hinterlassen.

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  2. Professor Fratzscher steht als SPD-Claqueur nun auch bald auf der Seite der Regierungs-Opposition. Durch seine Erfahrungen in der BGE-Opposition könnte er bei den Bestrebungen von Jamaika, das BGE bzw. eine vergleichbare Sozialreform einzuführen, durch konstruktive Kritik glänzen und dabei Zuarbeit leisten, wenn es darum geht, die bestmögliche Ausfertigung zeitnah in die Tat umzusetzen.

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  3. zum tausendsden male die selbe sinnlose drehung um sich selbst.
    wer zu faul zum suchen ist, kann natürlich leicht übersehen, dass es für dieserlei fragen bereits vielfältigste antworten gibt.
    man kann auch mal das eigen denken bemühen und selbständig und aktiv nach antworten suchen.

    eine möglichkeit unter vielen ist mein blog:
    http:www.unruheraum.de – die frage der finanzierung (also eine möglichkeit) ist dort zu finden:
    http://unruheraum.de/2017/07/09/06-und-es-funktioniert-doch/

    und hier die konkrete kritik zu einem anderen modell:
    http://unruheraum.de/2017/10/03/die-bge-finanzierung-durch-konsumsteuer-ist-eine-falle/

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