Welcome back in der U-Bahn

Mensch fragt sich, ob sich wohl was verändert hat. In den 2, 4, 6, 8 Wochen, in denen Mensch weg war. Steig in die U-Bahn, schau mir die Leute an. Es ist die Zeit nach dem Feierabend- und vor dem Feiernachtverkehr, also zwischen 21 und 23 Uhr. Auf dem Nachbar-Viererplatz sitzen zwei Jungs, Anfang 20:

Artistically my dark side is much more interesting than my funny side. But that is hard, because it means I have to keep this dark side up, which is really painful.

Und ich muss leider aussteigen, kann nicht weiter lauschen, ziehe auf dem Bahnsteig aber sofort mein Notizbuch raus und schreibe das Zitat rein. Denn wenn ich ihn aufschreibe, dann werde ich ihn nicht vergessen, diesen Moment, diesen Wannabe-Künstler. Alles an dem Hipster schreit „Welcome to Berlin“, natürlich auf Englisch, Mutterficker.

Und dann gehe ich los, und während ich gehe, muss ich an Santigold denken, die damals Santogold hieß, und als damals jetzt war den großartigsten aller Songs schrieb, inspiriert von solchen Menschen, die gern darüber reden, wie krass gekünstelt sie sind, weil sie ja Künstler sind, L.E.S. Artistes. Und war das eigentlich die beste Zeile, die je jemand in meiner Nähe in der Bahn gesagt hat? Wobei es ja eigentlich ein Gedanke war, den er gedacht hat. Und damit meine ich, dass der Gedanke auch Gedanke hätte bleiben sollen, und am besten nicht mal Gedanke der bleibt, sondern vergessener Gedanke, also nichts. So wie diese Zeilen vielleicht vergessene Zeilen sein sollten, also auch nichts, aber es vielleicht auch getippt noch sind, nichts. Wertlos. Aber andererseits wertvoll, weil ja dieses Zitat so geil ist, weil das zwar ein nichtiger Gedanke von dem Nichtsnutz war, aber aufgeschrieben ein guter Witz, also alles mehr als Nichts. Ich ränke den Typen hinter zwei Frauen, die unterhielten sich morgens mal in der U-Bahn, und die Essenz war, dass das Leben hart ist und eigentlich nur mit Substanzen erträglich:

„Ja, da brauchste schon Prosack oder wie heißt dit nochmal?“„Prozäääc, ja entweder Prozac oder Prosecco.“

Die Ärzte haben gerade eine neue Werbung in den U-Bahnen geschaltet, die sind bestimmt eher für Prozac, das andere ist ja schließlich ne Droge, oder mein lieber Hausarzt?

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