Auf nach Bayern

Polizeikontrolle, Gorbatschow am Lenkrad.

Tagesordnung des Zolls in Hof: Organisierte Kriminalität auf niedrigster Ebene bekämpfen. Also Fernbus anhalten, Araber verdächtigen. Rucksack mit Drogen in der Gepäckablage, gehört natürlich niemandem. Dose mit Haarwachs: „Also nochmal für alle, bei dem Haarwachs ist ein Kamm dabei an dem Haare sind, wir können also dann eine DNA-Probe von Ihnen allen nehmen.“ Ich stelle gut hörbar für alle von der Polizistin Adressierten fest, dass das bestimmt gemacht wird, weil DNA-Tests so günstig sind. Wir philosophieren, wie viel Drogen die wohl gefunden haben. Wie viel passt in eine Dose Haarwachs? 10 Gramm Koks? Wie viel war wohl in dem kleinen adidas-Rucksack? 5 Kilo Gras, wenn es gepresst war. Waren es Pillen? 2 Kilo Pillen? 10 Polizisten. Zwei oder drei per Schriftstück über ihre Rechte informierte Araber, jung, männlich. Moralpredigt des Polizisten gibt es umsonst und in gutem Englisch. “Dieses Land gibt Dir so viele Chancen, und dann machst Du sowas?” Die gute alte Unschuldsvermutung.

In der Halle des Zolls herrscht Recht und Ordnung. Das gelbe Schild sagt es: „Rauchen, Feuer und offenes Licht polizeilich verboten!“ Und weil sich der Polizist für Verbotenes interessiert, steht er rauchend vor dem Schild. Und weil die Polizisten Freund und Helfer sind, rauchen sie mit den Mitfahrern. Jeder macht beim Wischtest mit, weil alle weiterwollen. Nur die Araber nicht. Weil wer nicht mitmacht, kaum unschuldig sein kann, stört deren Schicksal auch schnell keinen mehr. Rechtsstaat ist da, wo uns alles recht ist, Rechtsstaat ist da, wo eben die kleinen Missetaten auch verziehen werden. Rechtsstaat ist da, wo wir alles irgendwie in Ordnung finden.

Der Bus ein bisschen leerer bei der Weiterfahrt, cool, da ist ein Doppelplatz frei: Hat etwas leicht Verruchtes, dort saß der Kriminelle und jetzt nehm ich seinen Platz ein.

Am Zoigl (nordoberpfälzische Wirtschaft) zum Photoshoot für unser Kochbuch. Könnten wir vielleicht Tische tauschen, bei uns kommen noch einige Leute. Die nächsten 5 Minuten hören wir vom großen Nebentisch, an dem drei Leute sitzen, die Stimme vom alten Mann: „So was gibts am Zoigl nicht. Am Zoigl kann man keinen Platz besetzen. Die kennen den Zoigl nicht.“ Sein herausgekehrtes Traditionsbewusstsein macht mich sehr glücklich. Das ist dieses Mia san Mia, das ist sympathisch, das ist dieses konservative, das ist dieses Bewusstsein, dass die sich in ständiger Veränderung befindliche Umwelt so komplett ausblenden kann. Unbedingt erhaltenswert, sowas gehört ins Museum, dafür werde ich kämpfen.

Circles – Die Währung für das Grundeinkommen

Martin, mein ehemaliger Mitbewohner, ist aus dem Silicon Valley zurück. Im Gepäck hat er eine neue Währung: Circles. Sie baut auf der Blockchain auf und etabliert das Grundeinkommen jetzt vorerst für eine kleine ausgewählte Elite (ja, ihr könntet dabei sein!) in Berlin und New York. Wenn die betaphase rum ist, kann sich dann jede*r einklinken. Weil Währung nur Sinn macht, wenn sie auch eine Verbindung zur Realwirtschaft hat, kriegt ihr auch noch kostenlosen Cafe dazu – im Cafe Grundeinkommen. Das Cafe im TinyHouse-Format steht schon bei mir nebenan im Bauhaus Campus. Ab 6. Juni öffnet es die Tür 🙂 https://www.startnext.com/cafegrundeinkommen

Wem das noch nicht abgefahren genug ist, der sollte sich unbedingt auch Martins neues Projekt geben: Auf Basis der Ethereum Blockchain baut er gerade eine Software für Prognosemärkte. gnosis.pm